
Im November 2024 verletzte sich das Pferd am rechten Hinterhuf. Was genau passiert ist, hat niemand mitbekommen. Es fanden sich leichte Verletzungen am äußeren Kronrand sowie an der Innenseite des Röhrbeins. Daher kann ein Hufgeschwür als Ursache ausgeschlossen werden.
Durch die Verletzung wurde in dem betroffenen Bereich einige Tage kein Wandhorn produziert. Dadurch entsptand eine Lücke, die man Kluft nennt. Anhand der Kluft kann man das Hufwachstum gut beobachten. Das Bild stammt vom März 2025.


Im Mai 2025 war die Kluft soweit hinunter gewachsen, dass die Wand am hinteren Ende der Kluft bis zum Boden durchriss.
Um ein unkontrolliertes Wegbrechen der Wand zu verhindern wurde es notwendig, das lose Hornstück zu entfernen.


Zwei Monate später, im Juli 2025, war die Kluft soweit heraus gewachsen, dass nichts mehr wegbrechen konnte.
Diese Verletzung ist ein gutes Beispiel dafür, dass mit der richtigen huforthopädischen Bearbeitung eine große Verletzung auch Barhuf wieder rauswachsen kann. Auch bei einer Verletzung oder bei einem großen Ausbruch bracuht man nicht immer einen Beschlag.






Am Beispiel der „winkenden Trachte“ kann man sehen, dass ein Huf allein mit der richtigen huforthopädischen Bearbeitung und dem passenden Bearbeitungsabstand wieder normal herunter wächst. Gleichzeitig wird bei dem Huf deutlich, dass die Hornkapsel eher steiler werden möchte. Dies ist an dem Knick im pigmentierten Horn gut zu erkennen. Oberhalb des Knickes wachsen die Hornröhrchen steiler herunter, das ältere Horn unter dem Knick ist hingegen deutlich flacher.
Die Ursache für das Wegbrechen der Trachte war vermutlich ein Hufgeschwür, welches trotz regelmäßigen Abdrücken unerkannt blieb. Zusätzlich stürzte das Pferd einige Wochen vor dem Wegbrechen und rutsche mit dieser Hufwand über einen harten Boden. Die Trachtenwand wurde nach dem Wegbrechen vollständig bis zum Saumband weggeschnitten. Alle drei Wochen wurde bei der Hufbearbeitung geschaut, ob die Trachte inkl. der Trachtenwand ohne Einschlüsse herunter wächst. Anfangs musste regelmäßig frisch gewachsenes Horn teilweise wieder entfernt werden, damit keine Hohlräume entstehen. In den Hohlräumen hätten sich erneut Fusobakterien breit machen und dem Huf schaden können. Etwas schwieriger war es die Belastungssituationen so zu steuern, dass es zu keinen weiteren Ausbrüchen kam. Nach gut fünf Monaten war die Trachte wieder vollständig und steiler herunter gewachsen.
Der Hufabszess findet hinter den Lederhäuten statt. Dabei handelt es sich um eine eitrige Infektion mit Staphylokokken oder Streptokokken. Diese dringen durch eine Verletzung (Nageltritt o.ä.) bis hinter den Lederhäuten ein. Dort werden dann die Strukturen wie Gewebe, Knorpel und Knochen zersetzt und aufgelöst. Die Pferde zeigen meistens eine schwere Lahmheit, da der Abszess sehr schmerzhaft ist. Der Abszess ist ein Notfall und bedarf das Hinzuziehen eines Tierarztes. Ohne vernünftige Lokalisation und einer symptombezogener Medikamentengabe kann man dem Pferd nicht helfen. Da eine eitrige Gewebszersetzung im Inneren des Hufes abläuft, wird man um ein Antibiotikum in den meisten Fällen nicht umher kommen. Zudem muss man dem Patienten die Schmerzen nehmen. Im Anschluss muss der Abszess fachmännisch geöffnet werden, da die beste Heilungschancen bei einer guten Belüftung und dem Ablaufen des Eiters liegen. Dennoch muss das ganze sauber und trocken gehalten werden. Daher wird man um einen trockenen Hufverband nicht umher kommen. Aus hygienischen Gründen sollte dieser täglich erneuert werden. Für die weitere Behandlung stimmen sich Hufbearbeiter (Huforthopäde, Hufschmied oder Barhufbearbeiter) und behandelnde Tierärzte ab. Die Behandlung wird, je nach Größe des Abszesses, mehrere Monate dauern.

Verglichen mit dem Abszess ist ein Geschwür harmloser. Das Pferd läuft auch hier meist sehr lahm, was auch plötzlich auftreten kann und hat natürlich Schmerzen. Wie bei jeder Lahmheit sollte zunächst immer ein Tierarzt zur Untersuchung hinzugezogen werden. Im weiteren Verlauf kann es dann zu unterschiedlichen Verläufen kommen. Wenn es gut läuft, findet der Tierarzt das Hufgeschwür mit der Abdrückzange und schneidet es auf. Das stinkende, schwarze Sekret (welches wie Altöl aussieht) läuft aus der Öffnung. Dadurch entweicht der Druck im Huf, das Pferd kaut ab und die Schmerzen gehen dann schnell wieder weg. Anschließend muss man schauen, dass die Öffnung einige Zeit offengehalten wird. Nur so kann Luft an die Fusobakterien kommen und diese abtöten. Je nach Größe und Tiefe wird über einen trockenen oder feuchten Hufverband entschieden. Sollte es sich jedoch um ein großes Hufgeschwür handeln und die Lederhaut schon frei liegen, dann muss man diese natürlich schützen.
Sollte das Hufgeschwür nicht gleich gefunden werden, dann bleibt nur noch abwarten. Der Huf


muss dann in einen feuchten Hufverband, um das Horn aufzuweichen. Bei weicherem Horn kann das Hufgeschwür durch den Druck schneller nach außen durchbrechen. Nicht selten kommt es erst oben am Kronrand raus. Als feuchten Hufverband kann man verschiedene Dinge nehmen. Manche gießen Rivanol in den Hufverband, weil es desinfizierend ist. Ich empfehle hier eher Sauerkraut in eine Windel und diese dann um den Huf kleben. Nach ein paar Tagen sollte der Verband wieder abgemacht werden. Ist das Geschwür inzwischen eröffnet, dann muss man es noch ein wenig freischneiden, damit Luft die anaeroben Fusobakterien abtötet. Dem Sauerkraut wird nachgesagt, dass seine Bakterien auch die Fusobakterien abtöten, besser sogar als Rivanol. Sauerkraut macht das Horn auch weich.
Eine wichtige Vorbeugung von Hufgeschwüren ist eine gute Hufbearbeitung im richtigen Zeitabstand. Letztlich kann ein Hufgeschwür immer, auch bei der besten Bearbeitung, entstehen. Wenn der Bearbeitungsabstand jedoch kurz ist, also um die vier Wochen, dann ist die Wahrscheinlichkeit ein großes Hufgeschwür zu bekommen kleiner. Bei meinen Bearbeitungen habe ich schon öfter mal kleinere Hufgeschwüre entdeckt, die noch fern der Lederhaut waren und dem Pferd keine Schmerzen bereiteten. Durch die frühe Entdeckung konnte so den Pferden auch Schmerzen erspart bleiben.
Was ist das?
Im Huf befinden sich verschiedene Knorpel. Diese können am hinteren Ende des Hufbeines mit der Zeit verknöchern. Bedeutet: Der eher weichere Knorpel wird zu einem Knochen und somit hart. Der Prozess fängt meist langsam und schleichend an, ohne, dass eine Lahmheit festgestellt wird. Je nach Ausprägung kann sich der Knorpel vollständig verknöchern und es kann zu einer enormen Lahmheit führen.
Wie kommt es dazu?
Werden die Knorpel ständig und immer wieder überlastet, so verknöchern sie. Neben ständigem Laufen über harten Boden, einer schlechten



Hufform, kann auch ein zu hohes Körpergewicht ursächlich für eine Hufknorpelverknöcherung sein. Besonders schwere Pferderassen haben auffällig oft eine Verknöcherung der Knorpel. Meist fällt die Hufknorpelverknöcherung erst auf Röntgenbildern auf. Entweder als Zufallsbefund, weil der Huf wegen etwas anderem geröntgt wurde oder bei der Suche nach der Ursache einer Lahmheit. Dabei sollte man eine Lahmheit nicht zu schnell auf die Verknöcherung schieben. Besonders, wenn sie noch nicht sehr fortgeschritten ist, sollte man weitere Lahmheitsursachen zumindest ausschließen. Je weiter die Verknöcherung fortschreitet, desto häufiger treten Probleme auf. Diese können von gelegentlich fühlig auf hartem, unebenem Boden bis hin zu hoher Lahmheit führen. Da die Bewegungsfreiheit im Huf immer mehr eingeschränkt wird, kann der Huf Unebenheiten nicht mehr so einfach ausgleichen. Die entstandenen Knochen drücken ggf. auf die Lederhäute und verursachen Schmerzen.
Kann die Hufbearbeitung entscheidend sein?
Ja, die Hufbearbeitung ist auch hier sehr entscheidend. Je fortgeschrittener die Verknöcherung ist, desto genauer muss die Bearbeitung sein. Die Hufstellung muss entsprechend so gestaltet werden, dass die Hufknorpelverknöcherung nicht auf die Lederhäute drückt. Viele Pferde kommen auch hier Barhuf mit der entsprechenden Hufbearbeitung bestens zurecht. Es gibt aber auch wenige Pferde, die mit einem Beschlag deutlich besser laufen. Zudem sollte man die Bewegung und Nutzung des Pferdes an die entsprechende Situation anpassen.