Ist Hufe wässern sinnvoll?
Im Sommer sind die Pferdehufe oft sehr trocken und hart. Manche fangen an rissig oder brüchig zu werden. Einige fragen sich, ob dann sinnvoll ist, die Hufe zu wässern. Grundsätzlich reguliert der Huf seinen Feuchtigkeitshaushalt von innen heraus selbst. Ist das Wetter trocken und die Wege hart, dann benötigt der Huf härteres Horn. Würde das Horn weich bleiben, dann würden sich die Hufe sehr schnell abreiben und das Pferd läuft fühlig oder bekommt im schlimmsten Fall eine

Huflederhautentzündung. Bei weichem Untergrund würden sich sehr harte Hufe nicht ausreichend ablaufen. Daher passt der Organismus die Hornqualität an den Untergrund an. Wässert man die Hufe im Sommer, so würde das Horn zu weich und sich zu schnell ablaufen.
Ist ständiges Wässern schädlich?
Ständiges Wässern der Hufe kann die Rissbildung in der Hornwand sogar noch begünstigen. Stellt man die Hufe z.B. täglich 15 bis 20 Minuten in Wasser, so saugt das Horn das Wasser etwas auf und die einzelnen Hornröhrchen dehnen sich aus. Anschließend auf der Wiese, Paddock oder dem Offenstall trocknen die Hufe bei den sehr sommerlichen Temperaturen schnell wieder aus und ziehen sich zusammen. Bei regelmäßiger Wiederholung können so etwa noch mehr Risse entstehen. Daher sollte man das besser nicht machen.
Wann sollten die Hufe gewässert werden?
Sinnvoll ist es, wenn man die Hufe kurz vor der Hufbearbeitung für ca. 20 Minten einweicht. Dadurch wird das Horn weicher und es für den jeweiligen Bearbeiter deutlich leichter die Hufe zu bearbeiten. Eine leichtere Bearbeitung schützt zusätzlich vor Verletzungen beim Pferd und Bearbeiter. Zum Einweichen gibt es viele unterschiedliche Methoden. Neben Krankenhufschuhen, in denen man das Wasser gießen kann, kann man auch nasse Handtücher unter die Hufe legen, dicke, nasse Socken anziehen, einen nassen Teppich verwenden oder was auch immer zur Hand ist. Wichtig ist dabei, dass hauptsächlich die Sohle eingeweicht wird, denn dort muss man die meiste Kraft bei der Bearbeitung aufbringen.
Kann man die Hufe denn im Sommer dennoch unterstützen?
Je nach äußeren Einflüssen kann es allerdings notwendig werden, die Hufe etwas zu schützen. Ich habe beispielweise die Erfahrung gemacht, dass häufiges Salzwasser in Verbindung mit der Trockenheit den Hufen zusetzt. Da werden die Hufe von unseren Pferden nach einem Ausritt in der Ostsee im Sommer mit kaltgepresstem Rapsöl eingepinselt. Bei unseren Hufen hat es keinen Unterschied gemacht, ob man teure, spezielle Produkte nimmt oder das günstige Rapsöl. Aber es ist natürlich jeder Huf anders und man muss schauen, was dem jeweiligen Huf guttut. Wichtig ist dabei, dass man die Hornkapsel vom Boden bis einschließlich Kronrand einpinselt.
Die Gesundheit des Hufes und der Beine haben hat auch was mit dem Bearbeitungsabstand der Hufe zu tun. Für gesunde Hufe und Beine sind kürzere Bearbeitungsabstände wichtiger als lange Abstände. Bei Bearbeitungsabstände von vier bis fünf Wochen sind Stellungskorrekturen für die Gelenke, Sehnen und Bänder schonender als bei Abständen von acht oder mehr Wochen. Hierbei

werden die Korrekturen in mehreren kleineren Schritten durchgeführt, so dass die Gelenke, Sehnen und Bänder sich langsam und schmerzfrei dran gewöhnen. Weiter werden eventuell vorhandene Hebel an den Hufen bei kurzen Abständen nicht so groß und drücken somit weniger auf die Lederhäute. Bearbeitet man die Hebel rechtzeitig, so reduziert sich nicht nur die Gefahr der Ausbrüche, man bekommt die Hebel so auch schneller unter Kontrolle. Kurze Bearbeitungsabstände tragen auch maßgeblich zu einer besseren Hufhygiene bei. Fäulnis am Huf wird früher erkannt und weggeschnitten, so dass die Gefahr von Hufgeschwüren reduziert werden kann. Ebenso sind die Strahle weniger anfällig für extreme Strahlfäule. Durch das Frühzeitige Bearbeiten kommt mehr Luft an den Strahl, welche anaerobe Bakterien absterben lässt. Das Hufgefühl bleibt bei einer kurzen Bearbeitungsabstand auch eher gleich, als wenn der Huf erst nach acht oder mehr Wochen stark zurückgeschnitten wird.
Was ein optimaler Bearbeitungsabstand ist, hängt immer vom jeweiligen Zustand der Hufe, deren Abnutzung, dem Wachstum und einer eventuellen Fehlstellung ab. Ein Abstand von vier bis fünf Wochen hat sich in den meisten Fällen als sehr gut erwiesen. Bei extremen Fehlstellungen können auch schon mal zwei Wochen, bei Hufkrankheiten (Hufrehe, Hufkrebs, o.ä.) auch noch kürzere Abstände vorrübergehend erforderlich sein. Es gibt allerdings auch wenige Ausnahmefälle, bei denen die Pferde mit einem Abstand von sechs Wochen sehr gut auskommen.
Was der optimale Bearbeitungsabstand ist, entscheidet immer der Zustand der Hufe und muss letztlich bei jeder Bearbeitung neu betrachtet werden.